Richtig geschwindelt wird in deutschen Reisekatalogen kaum, dafür sorgt das strenge Wettbewerbsrecht. Eine unrühmliche Ausnahme sei an dieser Stelle allerdings nicht verschwiegen: Bei "Alltours Flugreisen GmbH" gerät auch schon mal ein "Miniclub" in den Prospekt, den es vor Ort gar nicht gibt. Auch wenn diese Gesellschaft ausdrücklich auf den Fehler hingewiesen wird, taucht das gleiche Bild im nächsten Jahresprosekt wieder auf. Vor den "Diensten" dieser Reisegesellschaft sei deshalb gewarnt. Ein Reiseregressprozess ersetzt keinen Erholungsurlaub.
Aber auch für die anderen
Reisegesellschaften gilt: Schönfärberei ist leider erlaubt.
Was die Floskeln bedeuten können:
Direktflug: Flug
mit Zwischenlandungen (sonst "nonstop")
Transferzeit
zum Flughafen 15 min.: Hotel mit Fluglärm; das
Hotel liegt in der Einflugschneise
Aufstrebender
Ferienort: Viele Neubauten, Baustellen,
Staub und Dreck
In unmittelbarer Nähe
Restaurants und Unterhaltungsmöglichkeiten: Direkt
hinter Spielhölle, Bars und Supermärkten gelegen
Breite
Promenade: Mehrspurige
Schnellstraße
Touristisch gut
erschlossen: Ballung von
Bettenburgen
Neuerbaute Anlage:
Grünanlagen noch unfertig
Direkt
am Meer: Nicht direkt am Strand,
Fußmarsch von 15 Minuten möglich
Meerblick:
Weit weg. Man muss das Meer nur sehen
können
Meerseite: Kein
Meerblick, Gebäude können die Sicht auf das Wasser
versperren
Neu eröffnet:
Handwerker erledigen noch letzte
Arbeiten
Gelegentlich
Unterhaltungsprogramm: Zwei bis drei Mal
pro Woche Riesenlärm durch Pool-Party oder Freiluft-Disco, sonst
Langeweile
Besonders für junge
Leute: Fast rund um die Uhr
laut
Strandnah: Nicht
direkt am Meer
Naturstrand /
Naturbelassener Strand: Strandabschnitt
wird nicht gesäubert, Algen, Tang und Müll bleiben
liegen
10 Minuten zum Strand:
Ob zu Fuß oder per Bus, bleibt leider offen
Beheizbarer
Swimmingpool: Nicht immer
beheizt
Lebhaft, fröhlich:
Touristenrummel und Lärm
Mietwagen
empfehlenswert: Weit ab vom
Schuss
Taxientfernung zur Stadt 8
Min.: Es gibt keinen
Bus
Verkehrsgünstig, zentral
gelegen: Straßenlärm
Boulevard:
Sechs- und mehrspurige
Straße
Internationale
Atmosphäre: Skandinavier und
Engländer lassen's hoch hergehen
Schon Zwei-Sterne-Hotels müssen Frühstücksbüffet bieten und Doppelzimmer mit mindestens 16 qm. Drei Sterne garantieren ein eigenes Bad, TV, Telefon und Karten-Zahlung. Vier-Sterne-Gäste können sich Frühstück servieren lassen aufs 22-qm-Zimmer mit Minibar, Bademantel und Fön.
Zwei Sterne garantieren 14 qm, vier magere 16 qm. Ab drei Sternen ist das eigene Bad Pflicht, ab vier die Zimmer-Klimaanlage. Heißes Wasser gilt als Luxus. Ausnahmen gibt es für Strandhotels, eigene Kategorien für Pensionen ("Hostal"). In Spanien, Italien und Frankreich verzichten Hotels auf einen Stern: Höherer Standard kostet mehr Steuern.
Hier legen die Regionen die Meßlatten. Der weitgehend gemeinsame Nenner heißt etwa bei drei Sternen: 15 qm pro Zimmer, Direkt-Telefon und auf Wunsch Gepäckträger, Wäschewechsel alle vier Tage. Für je vier Zimmer muß ein Angestellter da sein, Privatbäder erst ab vier Sternen. Regionale Einschränkungen sind möglich. Südtirol etwa gestattet den Hotels, bei einem Merkmal zu "patzen".
Die Zimmer dürfen klein sein, bis vier Sterne reichen 15 qm. Ein eigenes Bad/WC ist erst ab vier Sternen Vorschrift, ebenso Frühstücksbüffet. Dafür wird Service groß geschrieben, in Zwei-Sterne-Hotels betreut ein Mitarbeiter höchstens zehn, in Vier-Sterne-Hotels maximal drei Gäste. Bei drei Sternen gibt es Gepäcktransport und acht Qualitätsweine auf der Karte.
Der Staat verwendet Buchstaben: von "E" (vergleichbar in Deutschland ohne Kategorie) bis "A" (Vier-Sterne-Hotel). Fünf-Sterne-Häuser glänzen mit "L" gleich Luxus. Privatbäder darf man ab "B" erwarten. Selbst bei "A"-Hotels muß es kein Telefon auf dem Zimmer geben.